EEC hat im Gespräch mit Ausbildern zum Rettungssanitäter festgestellt, dass Veränderungen im Bereich des Arbeitsfelds der Paramedizin und der des Rettungssanitäters aufgetreten sind. Diese Veränderungen können Auswirkungen auf die Institutionen haben, die diesen Service anbieten, sowie auf die Finanzierung des Berufsfelds. Des Weiteren hat sich die Rolle des Rettungssanitäters vom einfachen Fahrer eines Krankenwagens dahingehend entwickelt, dass sie nun als autonome Systeme fungieren, die in der Abwesenheit eines Arztes klinische Entscheidungen treffen dürfen.


Mit der Entwicklung der Rolle des Arbeitsfelds, entwickelte sich auch die Ausbildungsstruktur. So entwickelte sich die Ausbildung im Rahmen der Paramedizin von einer grundständigen Ausbildung zum Rettungswagenfahrer zu einer professionellen, auf Bildung basierender Ausbildung, die Theorie, Recherche und Praxis miteinander kombiniert. An der Universität Swansea dauert somit die Ausbildung zum BSc oder DipHE zwei Jahre an und ist ein Vollzeitstudium. Der Stundenplan im Studiengang DipHE umfasst Fächer wie:

  • Biowissenschaften
  • Naturwissenschaften
  • Gesundheits- und Sozialwissenschaften
  • Verhaltensforschung
  • Gesundheitswesen und Gesundheitspolitik
  • Ethik und Recht
  • (zwischenmenschliche) Kommunikation
  • Patientenbegutachtung
  • Betriebsgesundheitswesen
  • Reflexionsmanagement
  • Erforschungsarbeiten

Diese Aspekte sind für die Bewerbung sehr wichtig. Nichtsdestotrotz, die Ausbildung in Großbritannien unterscheidet sich stark von den Trainingsinhalten des Projekts. Es ist unwahrscheinlich, dass die Art und Weise, auf die das paramedizinische Wissen mithilfe des Medilingua-Projekts vermittelt wird, als tonangebende Ausbildungsform in Großbritannien angenommen wird, speziell in Bezug auf die Nutzung mobiler Technologien. Trotzdem VET-Aspekte der Paramedizin vorrangig behandelt werden, geht es den Verantwortlichen Ausbildern in Großbritannien mehr um die praktische Simulation und das Training. Es werden eher große Gerätschaften genutzt, so wie Simbulance von SCAS, als auf „Soft-Skills“ ausgelegte Methoden, die sogar während der Arbeit durch ein mobiles Endgerät abrufbar sind.
Aus der Sicht Medilinguas wäre es also eine Möglichkeit beispielsweise das Podcasting, das einen Teil des Projekts darstellt, in die Vorbereitungsphase der paramedizinischen Ausbildung zu integrieren, sowie Teil der generellen Ausbildung werden zu lassen. Hierfür müssten die Szenarien allerdings an einen Student/Auszubildenden angepasst werden und nicht an einen bereits ausgelernten Rettungssanitäter, der die Lehrinhalte Medilinguas zu Weiterbildungszwecken nutzt. Des Weiteren müssten auch die generellen Lehrinhalte Medilinguas überarbeitet und an die Bedürfnisse eines Auszubildenden angepasst werden.

Aufteilung der Belegschaft

Mit der sich verändernden Natur des Berufs kommen Fragen bezüglich der Rolle von Rettungssanitätern in einer modernen, „Frontlinien“-Gesellschaft auf. Demzufolge trug es sich zu, dass mit dem Trend, dass Rettungssanitäter als autonome, klinische Entscheidungstreffer eingestellt werden, es nun oft der Fall ist, dass ein Rettungssanitäter, der auf Abruf bereit steht nicht mehr notwendig ist. Heutzutage dient der Bereitschaftsdienst also in den meisten Fällen nur noch dazu die Anrufer entweder zu beschwichtigen oder aber einen Transport ins Krankenhaus zu vereinbaren, wo die Patienten dann weiter behandelt werden können.
An einer bestimmten Situation angekommen, ist es dann während des Trainings die Aufgabe des Rettungssanitäters die Situation richtig einzuschätzen und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Dies soll mithilfe von Kommunikation, ein wesentlicher Bestandteil des Medilingua-Projekts, stattfinden. Das kostet allerdings Zeit und es würde wahrscheinlich mehr Sinn machen, den Rettungssanitäter woanders einzustellen und die Vorarbeit anderen zu überlassen. So wäre es im Falle Medilinguas also angebrachter im Call-Center-Bereich zu fungieren und verwaltende Aufgaben zu übernehmen, wie zum Beispiel das Erkennen einer Situation und Senden von Rettungswagen. Auch für solche Situation müssten die Inhalte der Medilingua-Plattform dann benutzerfreundlich angepasst werden.

Einstellungen und Vorstellungen

Ausgehend von der sich verändernden Umwelt und Natur des Berufs eines Rettungssanitäters in Großbritannien, stellt sich die Frage inwieweit sich die Einstellungen und Vorstellungen von Politikern und der Bevölkerung gegenüber eines Rettungssanitäters ändern oder sich geändert hat. In der Tat stellte sich heraus, dass die Meinung gegenüber Rettungssanitätern und dem Berufsfeld im Allgemeinen sehr rückständig ist. Es mag sich um einen Generationskonflikt handeln, doch nach wie vor ist es so, dass ein Rettungssanitäter „nur“ als Kraftfahrer und Erstversorger angesehen wird und nicht als autonomer, klinischer Entscheidungstreffer.